Zehn Generationen Sattler

Bevor die Werkstätte nach Wels kam, war die Familie schon über zweihundert Jahre im Sattlerhandwerk zu Hause. Ein Verwandter aus der Kammerer-Linie hat die Spuren in den Pfarrmatriken von Fischlham, Wimsbach und Vorchdorf, in alten Grundbüchern und im Oberösterreichischen Landesarchiv in Linz zusammengetragen.

Daraus ergibt sich eine Ahnenreihe von Jakob Kammerer, der 1667 in Fischlham heiratete, über Georg Winklmayr, der den Betrieb 1989 übernahm, bis zu seinem Sohn Christopher, Taschnermeister in elfter Generation. Auf dieser Seite erzählen wir die ersten sieben Generationen, von Fischlham über Wimsbach bis ins Sattlerhaus im Feld in Vorchdorf.

Geschnitztes Holzrelief eines Fahnenträgers, schmiedeeiserner Stuhl und Zaumzeug in einer Nische des Museums

1667: Ein Sadler aus Bayern

Am 26. April 1667 wurde in Fischlham Jakob Kammerer getraut, im Heiratsbuch „Jacob Camerer seines Handwerks ein Sadler“, ledig und gebürtig aus Bayern. Seine Braut war Magdalena Fuchshuber aus Lambach. Dieser Eintrag ist die älteste Aufzeichnung über die Familie und der Grund, warum die Sattlerei ihr Gründungsjahr mit 1667 angibt. Jakob war Sattlermeister in Fischlham am Stölln und später in Wimsbach, wo er 1712 als „der alt Sadler in der Prungassen“ starb.

Wimsbach und Vorchdorf

Sein Sohn Johann, geboren 1670, heiratete 1694 Maria Sedlmayr, die Tochter eines Wimsbacher Schuhmachermeisters. Er führte die Werkstatt in der Prunngassen weiter und arbeitete später auch in Bergern bei Vorchdorf. Ein Sohn, Johann Georg, blieb als Sattler in Wimsbach, ein anderer, Mathias, geboren 1711, wurde Sattlermeister in Vorchdorf.

Mathias steht im Theresianischen Gültbuch als Sattler auf dem Prunsberger Häusl mit Garten, ohne Landgründe, dafür mit einer Geiß. 1758 kaufte er mit seiner Frau Barbara sogar die Hoftaferne in Messenbach. Als sein Sohn Josef mit dem Wirtshaus in Kößlwang in Konkurs ging, verloren die Eltern 600 Gulden und damit fast ihr ganzes Vermögen. Die Verlassenschaft von 1788 listet, was in der Werkstatt übrig blieb: fünf neue Kummet, Gurten, Zügel, Sattelgurten, Laufseile und zwei alte Reitzäume. Das „sämtliche Sadler Werkzeug“ wurde auf einen Gulden und 30 Kreuzer geschätzt.

Das Sattlerhaus im Feld

1793 kaufte sein Sohn Franz Kammerer um 300 Gulden das „Hutterer Häusl im Feld“ in Vorchdorf. Bald hieß es nur mehr das Sattlerhaus im Feld, und über hundert Jahre blieb es der Mittelpunkt der Familie. Nach ihm arbeiteten dort sein Sohn Franz Xaver und sein Enkel Ignaz als Sattlermeister. Leicht war das Leben nicht: Von den dreizehn Kindern des Franz Xaver erreichten nur wenige das Erwachsenenalter.

Ein Sattler aus Napoleons Tross

1858 heiratete Ignaz Kammerer Josepha Karrer. Ihr Vater Joseph Ludwig Karrer, in den Matriken auch Carré geschrieben, stammte aus Frankreich. Der Überlieferung nach kam er als Trosssattler mit den Soldaten Napoleons nach Österreich, blieb hier und wurde in Bergern bei Vorchdorf Brunnengraber.

Vier Söhne, vier Sattlermeister

Von den Söhnen von Ignaz und Josepha wurden vier Sattlermeister: Ignaz in Leppersdorf und später in Eferding, Ferdinand in Kirchham, Alois übernahm das Sattlerhaus in Vorchdorf, und Johann ging 1901 nach Wels. Alois’ Tochter Rosa, 1901 im Sattlerhaus geboren, wurde später die Erbin der Welser Werkstätte und heiratete 1930 Hans Winklmayr. Von Jakob Kammerer bis Georg Winklmayr sind es damit zehn Generationen. Mit Georgs Sohn Christopher, Taschnermeister, ist heute die elfte Generation im Lederhandwerk tätig.

Wie es in Wels weiterging, vom Brauereisattler „Schani“ bis zum Sattlermuseum, erzählt die Geschichte der Werkstätte am Kaiser-Josef-Platz.

Die Stammlinie

1. Jakob Kammerer
gest. 1712, Sattlermeister in Fischlham und Wimsbach

2. Johann Kammerer
1670 bis 1739, Sattlermeister in Wimsbach und Bergern bei Vorchdorf

3. Mathias Kammerer
1711 bis 1789, Sattlermeister in Vorchdorf

4. Franz Kammerer
1757 bis 1822, kauft 1793 das Sattlerhaus im Feld

5. Franz Xaver Kammerer
1791 bis 1858, Sattlermeister in Vorchdorf

6. Ignaz Kammerer
1836 bis 1892, Sattlermeister in Vorchdorf

7. Alois und Johann Kammerer
Alois im Sattlerhaus in Vorchdorf, Johann ab 1901 in Wels

8. Rosa Kammerer und Hans Winklmayr
Hochzeit 1930, seither heißt die Werkstätte Winklmayr

9. Hans Winklmayr
übernimmt 1969 den Betrieb am Kaiser-Josef-Platz

10. Georg Winklmayr
seit 1989 Sattlermeister in Wels, Gründer des Sattlermuseums

11. Christopher Winklmayr
Taschnermeister, die elfte Generation im Lederhandwerk

Chronik

1667 Sattler Jakob Kammerer heiratet in Fischlham, älteste Aufzeichnung der Familie

1694 Johann Kammerer, Sattlermeister in Wimsbach

1743 Mathias Kammerer heiratet in Vorchdorf und führt dort die Sattlerei

1793 Kauf des Sattlerhauses im Feld in Vorchdorf

1858 Ignaz Kammerer heiratet Josepha Karrer, Tochter eines Franzosen aus Napoleons Tross

1901 Johann Kammerer gründet den Firmensitz am Kaiser-Josef-Platz

1930 Hochzeit in Mariazell, seither heißt der Betrieb Winklmayr

1933 Übersiedlung an den Kaiser-Josef-Platz 16a

1950 Auftritt auf der Messe, Umstellung vom Sattler zum Taschner

1956 Eröffnung des Geschäfts

1969 Hans Winklmayr übernimmt, Aufträge für Pöttinger und die Landmaschinenindustrie

1989 Georg Winklmayr übernimmt in zehnter Generation

1999 Großer Umbau, danach Kauf des Nachbarhauses

2001 100 Jahre Sattlerwerkstätte am Kaiser-Josef-Platz

2008 Zweite Werkstätte in Steyr, VIP-Ausstattungen für Eurocopter

2017 350 Jahre: Sonderausstellung „Hautnah“ im Stadtmuseum Wels, Burg

Heute Sattlermuseum in der ehemaligen k.u.k. Post-Pferdewechselstation, Kaiser-Josef-Platz 18